Studie soll Folgen und Alternativen bei Wegfall der EU-Milchquote aufzeigen

Für den Fall, dass die Milchquoten ab 2014/15 wegfallen, sei rechtzeitig vorzusorgen, dass sich die Rahmenbedingungen für die heimischen Bauern nicht dramatisch verschlechtern, forderte Franz Eßl, Obmann der ARGE Bergbauernfragen.
"Die Milchproduktion ist nach diesen statistischen Auswertungen nach wie vor das wirtschaftliche Rückgrat der Landwirtschaft in den Berggebieten. Rund zwei Drittel der Milchkühe werden in den Berggebieten gehalten. Der weitaus größte Teil der Markterlöse ist der Rinderhaltung zuzuordnen. Das mögliche Auslaufen der Milchquotenregelung in der Europäischen Union im Jahre 2015 verlangt auch in der Zukunft wirtschaftliche Rahmenbedingungen, die der Milchproduktion in den Berggebieten eine ökonomische Grundlage sichern. 

Wir fordern daher eine fundierte Analyse sowie darauf aufbauend eine intensive Auseinandersetzung über wirksame Instrumente zur Erhaltung der Milchproduktion in den Berggebieten. Dies könnte eine kräftige Unterstützung durch Vermarktungsmaßnahmen und beispielsweise eine spezielle Grünlandprämie oder eine Milchkuhprämie für das Berggebiet sein. Diese Diskussion muss auf der nationalen und auf EU Ebene ab sofort intensiv geführt werden, damit konkrete Ergebnisse zeitgerecht vorliegen, erklärte Franz Eßl, Obmann der ARGE Bergbauernfragen in der LK Österreich, bei einem Pressegespräch in Wien. 
Der Grüne Bericht über das Jahr 2006 zeige zwar für die Bergbauernbetriebe mit landwirtschaftlichen Einkünften von rund 15.185 € je Arbeitskraft und Jahr eine positive Entwicklung, der Abstand zu den Nichtbergbauernbetrieben habe sich allerdings auf 20 % vergrößert. Generell liegen die Einkommen der Landwirtschaft deutlich unter dem allgemeinen Einkommensniveau, das im Durchschnitt bei rund 26.000 € und Jahr liege.

Ländliche Entwicklung mit bergbauerpolitischen Schwerpunkten 
Eßl: "Das neue Programm Ländliche Entwicklung für die Periode 2007 – 2013 enthält wichtige spezifische Instrumente für die Berglandwirtschaft wie vor allem die Ausgleichszulage sowie die Maßnahmen aus dem Umweltprogramm Offenhaltung der Kulturlandschaft und Prämien für die Bergmähder sowie die Alpungsprämien".
Nach dem derzeitigen Plan der Europäischen Kommission wird das österreichische Programm im September den zuständigen EK-Ausschuss passieren, in dem die Mitgliedstaaten vertreten sind, in der Folge gibt es dann die formelle Entscheidung der EK und damit die endgültige grüne Ampel für die Umsetzung. 
"Der Weg in den vergangenen Monaten war außerordentlich schwierig. Es mussten die neuen höheren und komplexeren Anforderungen im Umweltprogramm berücksichtigt werden, ebenso waren die generellen Schwerpunkte des Programms in eine neue Balance zu bringen, um den Regeln der EU zu entsprechen. Auch die bisherige Leader- Gemeinschaftsinitiative wird im Rahmen des Programms abgewickelt. Die österreichischen Vertreter haben sehr gute finanzielle Rahmenbedingungen für die Ländliche Entwicklung erkämpft. Nun gilt es zu beweisen, dass die einzelnen Maßnahmen auch praxisgerecht umgesetzt werden können. Es soll nicht verschwiegen werden, dass die Komplexität zugenommen hat und das auch bei der Umsetzung in der Praxis zu beachten sein wird", unterstrich Eßl.
Bergbauern erhalten alpinen Lebens- und Erholungsraum 
Die Rolle der Bergbauern gehe weit über die Bedeutung für die Erzeugung von Lebensmitteln hinaus, sie erhalten mit der nachhaltigen Bewirtschaftung den alpinen Lebens- und Erhoungsraum für die Gesellschaft. 
Bergbauernpolitik sei daher nicht nur ein Teil der Agrarpolitik, sie ist von großer Tragweite für die Gesellschaft insgesamt. In den kommenden Monaten stehen bergbauernpolitische Weichenstellungen auf der Tagesordnung: Das Programm Ländliche Entwicklung mit speziellen Umsetzungen für die Berglandwirtschaft gehe in Brüssel nach schwierigen Verhandlungen nun in die Endrunde der Genehmigung, die Diskussion über die zukünftige Milchpolitik der EU werde intensiver, so der Obmann der ARGE Bergbauernfragen. 

Darüber hinaus stehe der sogenannte Health-Check der Gemeinsamen Agrarpolitik an. Auch die Abgrenzung der Sonstigen Benachteiligten Gebiete werde auf dem Prüfstand stehen. "Wie der Grüne Bericht dokumentiert, stellen sich aber auch Herausforderungen in der Forstwirtschaft und erneuerbaren Energie, die nachhaltig zu nutzen sind und Einkommenschancen bieten. Die ARGE Bergbauernfragen wird sich aktiv in die verschiedenen Diskussionen einschalten, um auch in der Zukunft kalkulierbare Rahmenbedingungen und spezifische Instrumente für die Berglandwirtschaft zu haben", betonte Eßl abschließend.