Nach jahrelangen Verhandlungen wird diese Woche im Nationalrat eine Novelle des Tierschutzgesetzes beschlossen. Die praktikable Umsetzbarkeit ist dabei für mich ist ein wesentlicher Faktor eines guten Gesetzes.

Tierwohlmaßnahmen brauchen in erster Linie die breite Akzeptanz der einzelnen Tierhalter. Persönliche Motivation und Überzeugungsarbeit sind daher ausschlaggebend beim Tierschutz. Der Ruf nach immer strengeren Regelungen, die in der Praxis aber nicht umgesetzt werden können, nutzt auch den Tieren nichts. Neben wissenschaftlichen Erkenntnissen zählt vor allem die Praxistauglichkeit beim Schutz des Tierwohls.

Unsere Bäuerinnen und Bauern weisen dabei höchste Tierhaltungskompetenz auf. Diese darf auch in Zukunft nicht in Frage gestellt werden. Die Lebens- und Arbeitsrealität am bäuerlichen Hof beim Ruf nach immer neuen Regelungen muss mitberücksichtigt werden. Wenn es um den Schutz des Tierwohls geht, darf auch der Schutz des Menschen nicht zu kurz kommen. Hier ist die Berücksichtigung von Sicherheitsaspekten notwendig, um die Zahl vieler tragischer Unfälle im Umgang mit Tieren zu vermeiden.

Kleinbäuerliche Betriebe erhalten

Mir geht es aber auch darum, den kleinbäuerlichen Betrieben eine Überlebenschance zu geben. Besonders betroffen macht mich daher die Aussage der „Krone-Tierexpertin“ Maggie Entenfellner, die in einem Telefongespräch mit mir gemeint hat, dass bäuerliche Betriebe mit 16 Kühen oder weniger ohnehin nicht von der Tierhaltung leben können, dies lediglich als Hobby machen würden und daher halt zusperren sollten, wenn sie sich das Umstellen auf einen Laufstall nicht leisten können. Wirkliche Tierschutzkompetenz kann man sich nicht am Schreibtisch erwerben, sondern beim täglichen Umgang mit den Tieren, so wie dies unsere Bäuerinnen und Bauern tun. Überdies würde „ein Tierschutzgesetz sein Ziel eindeutig verfehlen, wenn es zu einem Zusperrgesetz für kleinbäuerliche Betriebe wird!“ 

Auf einem Auge blind?

Alle wollen, dass unsere Berggebiete, unsere Almen und abgelegenen Höfe bewirtschaftet werden und die Kulturlandschaft unter anderem auch für die Freizeitwirtschaft erhalten bleiben. Wenn es aber darum geht, die dafür notwendigen Rahmenbedingungen abzustecken, ist so mancher auf einem Auge blind. Ich darf an die nun bekannt gewordene Schadenersatzklage gegen einen Tiroler Bauern wegen einer Kuhattacke vor drei Jahren erinnern. Einerseits sollen sich alle Tiere zu jeder Zeit frei bewegen können, anderseits gibt es Klagen gegen Bäuerinnen und Bauern bei Nutzungs- oder Interessenskonflikten.

Unsere Bäuerinnen und Bauern tun ihr Bestes und handeln sehr verantwortungsvoll, um ihren Tieren ein artgerechtes Leben am Hof zu gewährleisten. Daher muss es auch Verständnis und Kompetenz von allen anderen geben. Mit der Novelle des Tierschutzgesetz ist es – unter Einbindung zahlreicher Experten und Organisationen – gelungen, praktikable Lösungen für das allgemeine Tierwohl zu finden. Eine Klarstellung bei der Anbindehaltung konnte ebenso getroffen werden wie vernünftige Lösungen in der Katzenfrage und konkrete Schritte im Kampf gegen illegalen Welpenhandel.

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